Stress für den Körper – Teil 2

Stress für den Körper – Teil 2

Die Kälte als Freund

„Zieh‘ dir eine Jacke an – es ist kalt!“, „Setz‘ eine Mütze auf, sonst verkühlst du dich!“, „Man geht nicht mit nassen Haaren raus – da wird man krank!“…

Wer kennt diese Sätze nicht von seinen Eltern?! Von Kindheit an wird uns suggeriert, dass Kälte etwas Unangenehmes, Bedrohliches ist und uns Schaden zufügen kann. Dabei ist gerade die Kälte ein wunderbares Werkzeug, welches wir für unseren Körper und Geist positiv nutzen könnten! Aber wie? Wie wäre es mit einem Eisbad?

Unser Körper verfügt über eine eigene Thermoregulation, die unsere Körperkerntemperatur zwischen 36,4°C und 37,4°C stabil hält. Das ist die optimale Temperatur, damit unsere Stoffwechselprozesse im Körper korrekt ablaufen können. Wird die Temperatur zu nieder, laufen Prozesse in den Zellen langsamer ab und wichtige Stoffe werden zu wenig oder gar nicht produziert. Ist die Temperatur zu hoch, beeinflusst dies Proteine und enzymatische Vorgänge negativ und es kommt zum Zusammenbruch von unserem Stoffwechsel.

Ein wichtiger Teil der Thermoregulation ist die Regulation der Durchblutung unseres Körpers. Unsere Blutgefäße sind von glatten Muskelzellen umhüllt, die es ermöglichen, dass sich Gefäße verengen und erweitern. Bei einer kalten Umgebungstemperatur kommt es zu einer Vasokonstriktion, d.h., die Blutgefäße ziehen sich zusammen, wodurch sich die Hautdurchblutung verringert. Die Blutzirkulation konzentriert sich auf die tiefer liegenden Gefäße. Sind wir jedoch einer hohen Umgebungstemperatur ausgesetzt, kommt es zur Vasodilatation –zur Erweiterung der Blutgefäße. Unsere Haut wird oberflächlich stark durchblutet.

Diese Kontraktionen der Muskelzellen um die Gefäße werden durch die Ausschüttung von Noradrenalin reguliert, was eine Antwort des sympathischen Nervensystems auf einen Kältereiz darstellt.

Diese Thermoregulation können wir positiv nutzen, um unsere Widerstandskraft (nicht nur gegen die Kälte) zu stärken.

Setzen wir unseren Körper nun einem Eisbad aus, kommt es zu 2 natürlichen Körperreaktionen: Eine Kälteschockreaktion lässt unsere Atem- und Herzfrequenz ansteigen, da der Sympathikus (=anregend) aktiviert wird. Im Gegensatz dazu verursacht der Parasympathikus (= Gegenspieler vom Sympathikus) den Tauchreflex, wodurch es zu einer Verlangsamung der Herzfrequenz, zur Konzentration der Blutversorgung auf den Körperkern (zum Schutz der lebenswichtigen Organe) und zu einem Anstieg des Blutdrucks kommt. Diese Reaktionen versetzen den Körper zwar momentan in Stress, langfristig gesehen wird jedoch durch regelmäßige Kältereize das Herz-Kreislauf-System trainiert und es kommt zu einer Senkung des Ruhe-und Belastungspulses. Außerdem werden auch die Muskulatur, das Hormonsystem, das Immunsystem und das zentrale und autonome Nervensystem positiv beeinflusst, was sich natürlich auch auf die Gesundheit auswirkt:

  • Durch die Kälte kommt es zur Ausschüttung von Adrenalin, welches gefäßverengend und entzündungshemmend wirkt.
  • Die Leukozytenzahl (weiße Blutkörperchen) steigt, wodurch es zu einer vermehrten Abwehr von Krankheitserregern kommt.
  • Das sogenannte braune Fettgewebe wird aktiviert, in dem Glukose und Fettsäuren in Wärme umgewandelt werden.
  • Das weiße Fettgewebe, z.B. unser ungeliebtes Bauchfett, wird im Gegenzug abgebaut.

Allerdings gibt es auch Kontraindikationen für das Eisbaden, die unbedingt beachtet werden sollen: Hypertonie (Bluthochdruck), Herz-oder Gefäßprobleme (z.B. Herzrhythmusstörungen, Arteriosklerose, usw.), Kälteurtikaria und auch akute Infekte stellen ein absolutes No-Go für ein Eisbad dar. Bei Unsicherheiten oder körperlichen Beschwerden sollte man am besten Rücksprache mit dem Hausarzt halten, damit man auf der sicheren Seite ist.

Ich habe vor 2 Jahren aus einer Laune heraus mit dem Kaltduschen angefangen. Jeden Tag drehte ich die Temperatur um ein paar Grad runter und gewöhnte meinen Körper langsam an die neue Herausforderung. Mittlerweile nehme ich im Winter 1-3x pro Woche ein Eisbad in meiner Wanne im Garten und habe damit eine wunderbare Methode gefunden, um meine Gesundheit zu stärken, meine Fokussierung auf meinen Körper zu trainieren und um nach dem Training schneller regenerieren zu können. Auch auf mentaler Ebene bin ich widerstandsfähiger, gelassener und ruhiger geworden. Ich habe generell ein besseres Körperbewusstsein entwickelt, was es mir einfacher macht, Signale meines Körpers zu deuten und schneller darauf reagieren zu können.

All denjenigen, die jetzt auch Lust auf Kälte bekommen haben, empfehle ich die Wim Hof-Methode. Sie basiert auf 3 Säulen: Atmung, Kältereize und mentales Training. Gerade für Neueinsteiger ist die Methode hervorragend, um sich langsam an das Thema Kälte heranzutasten und sich bewusst einem neuen Körpergefühl anzunähern.

Kälte ist nicht böse. Im Gegenteil! Richtig und bewusst eingesetzt kann sie uns dabei unterstützen, gesund und fit durch den Alltag zu kommen.

Verena Kresta

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